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Ein Überblick über Osteomalazie und Rachitis: Differenzierung und Gemeinsamkeiten

Das menschliche Skelett funktioniert als dynamisches System. Es reagiert flexibel auf unterschiedliche Belastungen, die durch körperliche Aktivitäten wie Arbeit, Sport oder Bewegung entstehen. Dieser Prozess führt zu einem ständigen Auf-, Ab- und Umbau der Knochen. Bei Rachitis und Osteomalazie ist dieser Prozess jedoch gestört, was zu einer Schwächung und Erweichung der Knochen führt.

Rachitis bezieht sich auf die pathologischen Veränderungen in den Wachstumsfugen der Knochen, während Osteomalazie die unzureichende Mineralisierung des bereits bestehenden Knochens beschreibt. Alle Formen der Rachitis gehen mit einer Osteomalazie einher. Bei Erwachsenen, deren Wachstumsfugen bereits geschlossen sind, tritt daher nur Osteomalazie auf. 

In den Wachstumsfugen durchlaufen die Chondrozyten, die Zellen, die für das Knorpelwachstum verantwortlich sind, verschiedene Entwicklungsstadien (Chondrogenese). Diese Zellen wachsen und speichern Kalzium sowie Phosphat, um zu mineralisieren. Am Ende dieses Prozesses sterben die Chondrozyten ab und werden durch eine neue Struktur, die primäre Spongiosa, ersetzt (Osteogenese). Für die Umwandlung des Knorpels (enchondrale Ossifikation) ist jedoch genug Phosphat notwendig. Wenn nicht genügend Phosphat vorhanden ist, können die Chondrozyten nicht absterben, was die Umwandlung stört und die typischen Symptome der Rachitis verursacht. Gleichzeitig kommt es im ganzen Skelett zu einer verringerten Mineralisierung des Knochens, was als Osteomalazie bezeichnet wird.

Es gibt drei Arten von Rachitis, je nach Ursache: 

Arten von Rachitis 

Ursache

Kalzipenische Rachitis

Kalziummangel

Kalziumarme Ernährung

Malabsorption (z.B. bei Zöliakie, Kurzdarmsyndrom)

Phosphopenische Rachitis

Verlust von Phosphat über die Nieren

Vitamin-D-Mangel

verminderte intestinale Absorption

Hypophosphatasie (HPP)

Genetische Defekte

seltene phosphatarme Ernährung

Klassifikation der Rachitis: Arten und Ursachen (Tischlinger & Högler, 2022)

Die Kalzipenische Rachitis ist die häufigste Form der Rachitis und resultiert aus einem Mangel an Vitamin D und Kalzium, der oft auf eine schlechte Ernährung oder unzureichende Kalziumaufnahme zurückzuführen ist. Vitamin Vitamin D, das durch UVB-Strahlen in der Haut gebildet wird, ist entscheidend für die Kalziumabsorption im Darm. Bei einem Mangel kann der Körper weniger Kalzium aufnehmen, was zu einem Anstieg des Parathormons (PTH) führt. Dieses kompensatorische Hormon versucht, den Kalziumspiegel im Blut aufrechtzuerhalten, was jedoch zu einem Verlust von Phosphat und einer Schwächung der Knochenstruktur führt.

In der Neugeborenen- und Säuglingsperiode können sich Symptome wie Krampfanfälle oder Muskelschwäche zeigen. Nach dem 6.Lebensmonat treten häufig die klassischen Rachitiszeichen wie O-Beine und Schwellungen der Gelenke auf. Ältere Patienten klagen oft über unspezifische Symptome wie Muskelschmerzen und allgemeine Schwäche. 

Die Diagnose erfolgt in der Regel durch eine ausführliche Anamnese sowie Laboruntersuchungen, die hohe Werte für PTH (Parathormon) und alkalische alkalische Phosphatase (ALP) und niedrige Werte für 25(OH)D zeigen. Röntgenuntersuchungen sind entscheidend für die Bestätigung der Rachitis, während zur Diagnose einer Osteomalazie eine Knochenbiopsie erforderlich ist. 

Die Therapie der kalzipenischen Rachitis umfasst die Gabe von Vitamin D und Kalzium und sollte mindestens 12 Wochen dauern. Es ist wichtig zu beachten, dass eine Phosphatsubstitution kontraindiziert ist, da sie den Zustand der Erkrankung verschlechtern kann. Bei speziellen Formen wie der renalen oder hepatobiliären Osteodystrophie sind angepasste Therapien erforderlich, während genetische Störungen eine individuelle Behandlung erfordern.

Phosphopenische Rachitis ist eine Krankheit, die durch eine erhöhte Ausscheidung von Phosphat über die Nieren verursacht wird. Die häufigste Form dieser Erkrankung ist die X-chromosomal-dominante Hypophosphatämie (XLH). Diese entsteht durch eine Veränderung im PHEX-Gen, was zu einer erhöhten Produktion des Hormons FGF23 führt. Infolgedessen kann der Körper weniger Phosphat zurückhalten und weniger Calcitriol (Vitamin D) herstellen.

Bei der Diagnose der Krankheit zeigen Kleinkinder oft Anzeichen wie O-Beine, Kleinwuchs und Zahnabszesse. Im Röntgenbild sehen die Knochen dicht aus, was anders ist als gewöhnlich. Laboruntersuchungen zeigen niedrige Phosphatwerte im Blut, daher ist es wichtig, den TmP/GFR-Quotienten zu berechnen, um die Diagnose zu bestätigen. Oft ist auch ein genetischer Test nötig.

Die Behandlung umfasst die Gabe von Phosphat und Calcitriol, um die Werte im Körper zu erhöhen. Alternativ kann Burosumab, ein Antikörper, eingesetzt werden, ein Medikament, das das Hormon FGF23 blockiert und die Aufnahme von Phosphat im Körper verbessert. Die Menge von Burosumab wird je nach Phosphatwert im Blut angepasst, um die besten Ergebnisse zu erzielen.

Das Monitoring der Behandlung sollte in spezialisierten Zentren erfolgen, mit regelmäßigen Kontrollen alle 3 bis 6 Monate. Bei der autosomal-dominanten hypophosphatämischen Rachitis (ADHR) hat sich gezeigt, dass die orale Eisensubstitution die Phosphatrückresorption verbessert. Hierbei gilt Ferritin als geeigneter Marker zur Überwachung des Therapieerfolgs.

Die Hypophosphatasie (HPP) ist eine Erbkrankheit, die durch eine Veränderung im ALPL-Gen verursacht wird. Diese Veränderung verringert die Aktivität eines wichtigen Enzyms namens alkalischer Phosphatase. Dieses Enzym hilft dabei, bestimmte Stoffe wie inorganisches Pyrophosphat (PPi) abzubauen. Wenn nicht genug von diesem Enzym vorhanden ist, kann sich PPi im Körper ansammeln. Dies verhindert, dass Knochen und Knorpel richtig mineralisiert werden, was zu Erkrankungen wie Osteomalazie und Rachitis führt. In schweren Fällen kann HPP auch Krampfanfälle auslösen, die mit Vitamin B6 zusammenhängen.

Die Symptome der HPP sind sehr unterschiedlich und variieren stark je nach Schweregrad der Erkrankung. Die schwersten Formen treten oft perinatal oder im frühen Kindesalter auf und können mit Atemproblemen, Muskelhypotonie, Kraniosynostose und einer hohen Sterblichkeit einhergehen. Bei Kindern sind häufig der frühe Verlust von Milchzähnen, Knochendeformitäten und Gelenkschmerzen zu beobachten. Im Erwachsenenalter können Patienten*innen unter chronischen Schmerzen und schlecht heilenden Frakturen leiden. Aufgrund der Variabilität der Symptome wird die Diagnose oft erst verspätet gestellt.

Die Diagnose der Hypophosphatasie erfolgt typischerweise durch die Feststellung niedriger Serum-ALP-Werte, das Vorhandensein charakteristischer Symptome und molekulargenetische Tests zur Bestätigung der ALPL-Mutation. Bei Trägern der Mutation kann die Diagnose jedoch schwierig sein, da die Symptome sehr unterschiedlich ausgeprägt sein können.

Seit 2012 steht eine Enzymersatztherapie mit Asfotase alfa zur Verfügung, die das Überleben und die Atemfunktion von Patienten*innen mit HPP erheblich verbessert. Diese Therapie wird dreimal pro Woche subkutan verabreicht und zielt darauf ab, die Aktivität der fehlenden alkalischen Phosphatase wiederherzustellen, was zu einer Verbesserung der Mineralisation von Knochen und Knorpel führt.

Die Behandlung erfolgt in spezialisierten Zentren, wo Patienten*innen regelmäßig überwacht werden. Wichtige Kontrollparameter sind das Wachstum, die motorische Entwicklung, Schmerzen und Laborwerte, die Kalzium- und Phosphatspiegel sowie Vitamin B6 umfassen. Die Prognose für Patienten*innen mit HPP verbessert sich, je älter sie bei der ersten Diagnose sind. Dank der Enzymersatztherapie haben selbst schwer erkrankte Patienten mittlerweile eine Überlebensrate von über 85 %, was die Lebensqualität und die langfristigen Aussichten für diese Patienten erheblich verbessert.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Rachitis und Osteomalazie ernsthafte Erkrankungen sind, die durch eine gestörte Mineralisation des Skeletts gekennzeichnet sind und unterschiedliche Ursachen sowie klinische Merkmale aufweisen. Eine frühzeitige Diagnose und gezielte Therapie sind entscheidend, um die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern und langfristige Komplikationen zu vermeiden. Während bei Rachitis insbesondere Kinder betroffen sind, zeigt sich Osteomalazie häufig bei Erwachsenen. Die Fortschritte in der Forschung und Therapie, wie beispielsweise die Enzymersatztherapie bei Hypophosphatasie, bieten neue Hoffnung und verbessern die Prognosen für Patienten*innen mit diesen Erkrankungen erheblich.

Quellen: 

Die Techniker. (2024, Januar 24). Was versteht man unter Rachitis und Osteomalazie? Die Techniker. Quelle

Tischlinger, K., & Högler, W. (2022). Verminderte Mineralisation des Knochens: Rachitis und Osteomalazie. Monatsschrift Kinderheilkunde, 170(2), 169–182. Quelle

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