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Vitamin-D-Mangel: Ein globales Gesundheitsproblem mit weitreichenden Folgen

Vitamin-D-Mangel ist weltweit ein weit verbreitetes Problem und betrifft sowohl Entwicklungs- als auch Industrieländer. Der Mangel an Vitamin D wird oft durch niedrige Konzentrationen von Serum 25-Hydroxyvitamin D (25(OH)D) definiert und steht in engem Zusammenhang mit negativen Auswirkungen auf die Knochengesundheit, wie beispielsweise Rachitis und Osteomalazie. Serum 25(OH)D ist der verlässlichste Marker für den Vitamin-D-Status.  Liegen dabei die Werte unter 30 nmol/L sollten durch Präventionsmaßnahmen vermieden werden, besonders bei gefährdeten Risikogruppen.

Hierbei ist es schwierig ausreichend Vitamin D allein durch natürliche Nahrungsquellen zu erhalten, um einen gesunden Vitamin-D-Status zu erreichen. Einige Risikogruppen benötigen jedoch weitere Präventionsmaßnahmen. 

Zu den Risikogruppen gehören: 

  • Gestillte Säuglinge erhalten durch Muttermilch meist nicht genügend Vitamin D, da deren Gehalt von der Vitamin-D-Zufuhr der Mutter abhängt. Die American Academy of Pediatrics (AAP) empfiehlt daher eine tägliche Ergänzung von 400 IE Vitamin D für Säuglinge. 

  • Ältere Erwachsene haben ein höheres Risiko für Vitamin-D-Mangel, da ihre Haut im Alter weniger Vitamin D produziert und sie sich oft weniger im Freien aufhalten.

  • Menschen mit eingeschränktem Sonnenkontakt, etwa durch religiöse Kleidung oder bestimmte Berufe, haben ebenfalls ein erhöhtes Risiko für einen Vitamin-D-Mangel. 

  • Personen mit dunklerer Haut reduziert die Fähigkeit, Vitamin D zu synthetisieren. 

  • Personen mit Fettabsorptionsstörungen, wie bei Zöliakie oder Morbus Crohn, haben oft Schwierigkeiten, genügend Vitamin D aufzunehmen. 

  • Menschen mit Fettleibigkeit oder nach einer Magenbypass-Operation benötigen eine höhere Vitamin-D-Zufuhr, da entweder mehr Vitamin D im Körperfett gespeichert wird oder die Aufnahme durch den Dünndarm reduziert ist.

Bezüglich bestimmter Berufe bewertete Sowah et al., (2017) den Vitamin-D-Spiegel in verschiedenen Berufsgruppen. Die Studie zielt darauf ab, den Serum-Vitamin-D-Spiegel sowie die Häufigkeit von Vitamin-D-Mangel in verschiedenen Berufsgruppen zu untersuchen, um ArbeitnehmerInnen mit einem erhöhten Risiko für Vitamin-D-Mangel zu identifizieren. Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass ArbeitnehmerInnen, die hauptsächlich in Innenräumen arbeiten, niedrigere 25-Hydroxyvitamin-D (25-(OH)D)-Spiegel aufweisen als Personen, die im Freien arbeiten (40,6 ± 13,3 nmol/L gegenüber 66,7 ± 16,7 nmol/L; p < 0,0001). Besonders SchichtarbeiterInnen, Blei-/SchmelzarbeiterInnen und Bergleute wiesen niedrige Vitamin-D-Werte auf, wobei SchichtarbeiterInnen einen besonders hohen Anteil an Vitamin-D-Mangel (80%) hatten. Auch medizinisches Personal, insbesondere MedizinstudentenInnen und AssistenzärzteInnen hatte vergleichsweise niedrige Vitamin-D-Spiegel (44,0 ± 8,3 nmol/L bzw. 45,2 ± 5,5 nmol/L), während praktizierende ÄrzteInnen (55,0 ± 5,8 nmol/L) höhere Werte aufwiesen. Insgesamt hatten alle Berufsgruppen hohe Raten an Vitamin-D-Mangel. Die Studie betont, dass vor allem SchichtarbeiterInnen, Gesundheitspersonal und Menschen, die in Innenräumen arbeiten, ein hohes Risiko für Vitamin-D-Mangel haben. Dies könnte auf Unterschiede im Lebensstil, wie die eingeschränkte Sonneneinstrahlung, zurückzuführen sein. Dies zeigt die Notwendigkeit von gezielten Gesundheitsförderungsmaßnahmen für diese Gruppen. 

Chen et al., (2021) fand bei Schwangeren einen Vitamin-D-Mangel. Dazu untersuchte diese Studie bei 3080 Schwangeren den Vitamin-Gehalt und Einflussfaktoren bei schwangeren Frauen sowie die Auswirkungen von Vitamin-D-Mangel auf häufige unerwünschte Schwangerschaftsergebnisse. Die Prävalenz von Vitamin-D-Mangel lag bei 83,28% und nur 1,36% der Frauen hatten ausreichend Vitamin D. Faktoren, die den Vitamin-D-Spiegel positiv beeinflussten, waren unter anderem ein Gestationsalter von 28 bis 32 Wochen, die Jahreszeiten Sommer und Herbst, eine höhere Bildung (mindestens Abitur) sowie mehr als 10 Stunden wöchentliche Zeit im Freien. Es wurde eine starke Korrelation zwischen dem Vitamin-D-Spiegel und der Temperatur festgestellt; höhere Temperaturen führten zu höheren Vitamin-D-Spiegeln. Ein niedriger Vitamin-D-Spiegel war mit einem erhöhten Risiko für Fehlgeburten und kleinwüchsige Neugeborene (SGA) verbunden. Die Häufigkeit von Fehlgeburten und kleinwüchsigen Neugeborenen war in der Gruppe mit Vitamin-D-Mangel signifikant höher. Die Vitamin-D-Spiegel schwangerer Frauen waren niedrig und wurden durch mehrere Faktoren beeinflusst. Niedrige Vitamin-D-Spiegel erhöhten das Risiko für spontane Abtreibungen und SGA. Daher sollten Maßnahmen ergriffen werden, um den Vitamin-D-Status schwangerer Frauen zu verbessern.

Die stark ausgeprägte Prävalenz mit Vitamin-D-Mangel zeigt sich nur bei Schwangeren, sondern lässt sich auch weltweit zurückzuführen. Um zuverlässige und vergleichbare Schätzungen der Vitamin-D-Versorgung zu erhalten, sollten aktuelle, repräsentative Bevölkerungsstudien verwendet werden, die auf standardisierte Messungen der Serumkonzentration 25(OH)D beruhen. 

Eine umfassende Analyse von 308 Studien aus 81 Ländern und sechs WHO-Regionen, die insgesamt 7,9 Millionen TeilnehmerInnen untersuchte, zeigt erhebliche Schwankungen in den untersuchten Studien hinsichtlich der Teilnehmerzahl. Die kleinste Studie umfasste 52 TeilnehmerInnen, während die größte Studie 1.316.390 Personen einbezog. Von den 308 Studien kamen 93 aus Europa, die insgesamt 7.238.477 TeilnehmerInnen umfassten. In der Region Amerika wurden 51 Studien mit 206.470 TeilnehmernInnen durchgeführt, in Afrika 14 Studien mit 7.088 TeilnehmernInnen, im östlichen Mittelmeerraum 64 Studien mit 85.770 TeilnehmernInnen, in Südostasien 29 Studien mit 28.780 TeilnehmernInnen und in der Region Westpazifik 57 Studien mit 380.774 TeilnehmernInnen. 

Die geografische Verteilung der Studien war ebenfalls breit gefächert. Die meisten Studien wurden in Ländern durchgeführt, die sich zwischen 20° und 60° nördlicher Breite befinden. In Bezug auf die Einkommensverteilung wurden 169 Studien in Ländern mit hohem Einkommen, während 70 in Ländern mit mittlerem Einkommen, 64 in Ländern mit niedrigem mittlerem Einkommen und nur 5 in Ländern mit niedrigem Einkommen durchgeführt wurden.

Die Prävalenz von Vitamin D-Mangel, definiert als Serum 25(OH)D unter 30 nmol/L, variiert je nach WHO-Region. In der Region Amerika beträgt die Prävalenz 5,5 % (95 % KI 3,5–7,8), im östlichen Mittelmeerraum hingegen 35,2 % (95 % KI 29,6–41,0). Global liegt die Prävalenz bei 15,7 % (95 % KI 17,7–17,8), mit einem Rückgang von 17,6 % in den Jahren 2000–2010 auf 14,1 % in den Jahren 2011–2022.

Ein klarer Zusammenhang besteht auch zwischen Vitamin D-Mangel und Einkommensgruppen. In Ländern mit niedrigem mittlerem Einkommen liegt die Prävalenz von Serum 25(OH)D unter 30 nmol/L bei 26,7 % (95 % KI 19,2–34,5). Länder mit mittlerem Einkommen weisen eine Prävalenz von 10,2 % (95 % KI 6,8–14,0) auf, während hochentwickelte Länder eine Prävalenz von 15,1 % (95 % KI 11,2–19,1) aufzeigen.

Alter und Geschlecht spielen ebenfalls eine Rolle. Jüngere Erwachsene zwischen 18 und 44 Jahren haben eine Prävalenz von 48,5 % für einen Vitamin D-Status unter 50 nmol/L. Frauen sind stärker betroffen als Männer, mit einer Prävalenz von 17,8 % (95 % KI 13,9–21,9) im Vergleich zu 13,6 % (95 % KI 10,6–16,6) bei Männern. Saisonalität beeinflusst ebenfalls den Vitamin D-Status, wobei die Werte im Winter und Frühjahr tendenziell niedriger sind als im Sommer und Herbst.

In den USA beträgt die Prävalenz von Vitamin D-Mangel 5,9 %, in Kanada 7,4 % und in Europa 13 %, wobei die Vitamin D-Insuffizienz (Serum 25(OH)D unter 50 nmol/L) deutlich höher ist: 24 % in den USA, 36,8 % in Kanada und 40,4 % in Europa. Dunkelhäutige Bevölkerungsgruppen sind überproportional von einem niedrigen Vitamin D-Status betroffen. In den USA liegt die Prävalenz bei nicht-hispanischen Schwarzen bei 24 %, während sie bei nicht-hispanischen Weißen nur 2,3 % beträgt.

Besonders hoch ist das Risiko für Vitamin D-Mangel in Ländern mit niedrigerem Einkommen, wie in Indien, wo schätzungsweise 490 Millionen Menschen betroffen sind. Bestimmte Patientengruppen, insbesondere Menschen mit chronischen Krankheiten wie Niereninsuffizienz, weisen eine besonders hohe Prävalenz von bis zu 99 % auf. Zur Bekämpfung dieses globalen Gesundheitsproblems sind gezielte Maßnahmen erforderlich, um die Versorgung mit Vitamin D zu verbessern und die Folgen eines Mangels zu minimieren.

Vitamin-D-Mangel ist ein global verbreitetes Problem, das sowohl Entwicklungs- als auch Industrieländer betrifft und schwerwiegende gesundheitliche Folgen hat, insbesondere im Hinblick auf Rachitis und Osteomalazie. Die wichtigsten Faktoren, die zu einem Mangel führen, sind eine unzureichende UVB-Strahlung und ungenügende Zufuhr durch die Nahrung. Bestimmte Risikogruppen wie gestillte Säuglinge oder ältere Menschen sind besonders gefährdet. 

Studien, wie die von Sowah et al. (2017) und Chen et al. (2021) verdeutlichen, dass berufliche Exposition, Lebensstilfaktoren und Schwangerschaft den Vitamin-D-Status signifikant beeinflussen. Die breite geografische Analyse zeigt, dass insbesondere Menschen in Ländern mit niedrigem Einkommen und bestimmten Berufsgruppen eine hohe Prävalenz von Vitamin-D-Mangel aufweisen. Besonders alarmierend ist, dass in vielen Teilen der Welt, wie etwa in Indien, fast 500 Millionen Menschen betroffen sind. Die Unterschiede nach Alter, Geschlecht und ethnischer Zugehörigkeit unterstreichen die Notwendigkeit gezielter Präventionsmaßnahmen. 

Quellen: 

Amrein, K., Scherkl, M., Hoffmann, M., Neuwersch-Sommeregger, S., Köstenberger, M., Tmava Berisha, A., Martucci, G., Pilz, S., & Malle, O. (2020). Vitamin D deficiency 2.0: An update on the current status worldwide. European Journal of Clinical Nutrition, 74(11), 1498–1513. Quelle

Cashman, K. (2020). Vitamin D Deficiency: Defining, Prevalence, Causes, and Strategies of Addressing. Calcified Tissue International, 106. Quelle

Chen, B., Chen, Y., & Xu, Y. (2021). Vitamin D deficiency in pregnant women: Influenced by multiple risk factors and increase the risks of spontaneous abortion and small-for-gestational age. Medicine, 100(41), e27505. Quelle

Cui, A., Zhang, T., Xiao, P., Fan, Z., Wang, H., & Zhuang, Y. (2023). Global and regional prevalence of vitamin D deficiency in population-based studies from 2000 to 2022: A pooled analysis of 7.9 million participants. Frontiers in Nutrition, 10. Quelle

National Institute of Health. (2024). Office of Dietary Supplements—Vitamin D. Vitamin D Fact Sheet for Health Professionals. Quelle

Sowah, D., Fan, X., Dennett, L., Hagtvedt, R., & Straube, S. (2017). Vitamin D levels and deficiency with different occupations: A systematic review. BMC Public Health, 17(1), 519. Quelle

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